„Ein erster, aber wichtiger Schritt hin zum durchgängigen digitalen Austausch“

Holger Krämer im Interview: über den Praxistest der neuen KONSENS-Lösung zur Rückübermittlung der E-Bilanz, die Bedeutung des standardisierten XBRL-Formats und die nächsten Schritte auf dem Weg zum medienbruchfreien digitalen Austausch.

Holger Krämer

Holger Krämer ist Product Owner bei DATEV und verantwortlich für digitale Prozesse mit der Finanzverwaltung.

» Wir haben die Rückübermittlung der E-Bilanz erfolgreich in der Praxis getestet. «

Herr Krämer, was ist das Besondere an der Rückübermittlung der E-Bilanz?

Bislang konnten Unternehmen und Steuerberater E-Bilanzen zwar digital an die Finanzverwaltung senden. Kam die E-Bilanz später mit Änderungen aus dem Finanzamt zurück, fehlte aber genau dieser digitale Rückweg. Die Informationen mussten dann oft aus Papierunterlagen oder anderen Dokumenten zusammengesucht und händisch abgeglichen werden. Mit der Rückübermittlung der E-Bilanz ist nun ein erster wichtiger Schritt gelungen: Die geänderten Werte kommen digital und im standardisierten XBRL-Format zurück.

Schon gewusst? 

Das Format XBRL (eXtensible Business Reporting Language) ist eine internationale „Sprache“ für den elektronischen Datenaustausch. Sie ist frei nutzbar, ihr Schwerpunkt liegt auf der Standardisierung von Jahresabschlussdaten. 

 

Warum ist das für Steuerkanzleien im Alltag so wichtig?

Weil es Arbeit spart und Prozesse vereinfacht. Insbesondere wenn die E-Bilanzrückübermittlung künftig in der zweiten Stufe vorliegt, sind in den Kanzleien perspektivisch durchgängige digitale Prozesse möglich: von der Finanzbuchführung über die eingereichte E-Bilanz und deren Rückübermittlung bis hin zu automatisiert erstellten Vorschlägen für Korrekturbuchungen nach einer Betriebsprüfung. Weniger Papier, weniger manuelle Abgleiche, mehr digitaler Fluss.

 

Wie funktioniert das technisch einfach erklärt?

Ich nutze dafür gern das Bild einer Autobahn. Die digitale Verbindung zwischen Finanzverwaltung und Kanzleien ist diese Autobahn. Darauf fahren schon verschiedene „Fahrzeuge“, zum Beispiel Steuerbescheide oder sonstige Schreiben. Die Rückübermittlung der E-Bilanz ist nun ein weiteres Fahrzeug auf dieser Strecke. Unsere Aufgabe als Softwareanbieter ist dafür zu sorgen, dass dieses Fahrzeug sicher und korrekt in der Kanzlei ankommt.

 

Welche Rolle spielt DATEV dabei?

Wir holen die Daten über die ELSTER-Schnittstelle ab und stellen sie der richtigen Kanzlei wieder zur Verfügung. Dahinter steckt einiges an Technik, damit die Daten eindeutig zugeordnet werden können. Schließlich arbeiten unsere Kanzleien mit sehr vielen Mandanten. Entscheidend ist also nicht nur, dass die Daten ankommen, sondern dass sie auch rechtsverbindlich, sicher und korrekt beim richtigen Empfänger landen. Der Abruf erfolgt dabei über das KONSENS-Verfahren DIVA, den Digitalen Verwaltungsakt.

 

Wie lief die Pilotphase aus Ihrer Sicht?

Gut, die ersten Piloten starteten 2025 in Nordrhein-Westfalen und Bayern. KONSENS betreute dabei das Projekt federführend unter der Leitung des Verfahrens Risikomanagementsystem (RMS). Gemeinsam mit der Finanzverwaltung, Pilotkanzleien und unserem Unternehmen konnte das Verfahren unter realen Bedingungen getestet werden. Technisch lief es reibungslos. Die größte Herausforderung war es auf unserer Seite, geeignete Pilotkanzleien in beiden Bundesländern zu finden. 

 

Gibt es schon erste Ergebnisse?

Ja. Im ersten Quartal 2026 wurden mehrere Tausend Bilanzen erfolgreich rückübermittelt. Das zeigt: Das Verfahren funktioniert und ist in der Praxis angekommen. Für uns ist es ein weiterer Beleg, dass die digitale Zusammenarbeit zwischen Steuerkanzleien und Finanzverwaltung zunehmend an Qualität gewinnt.

 

Was sagen die Anwenderinnen und Anwender in den Kanzleien?

Das Feedback ist positiv. Besonders hervorgehoben wird, dass mit dem Projekt ein erster Schritt gemacht wurde. Sobald jede konkrete Änderung in der rückübermittelten E Bilanz durch die Finanzverwaltung direkt auswertbar zur Verfügung gestellt wird, lässt sich ein deutlicher Mehrwert sowohl für die Steuerberater als auch für die Mandanten erzielen.

 

Ist das Projekt damit abgeschlossen?

Nein, es geht noch weiter. Inhaltlich wurde die zweite Stufe der E Bilanz Rückübermittlung bereits vor einiger Zeit zwischen der Finanzverwaltung, dem Berufsstand sowie den Softwareherstellern abgestimmt. Mit der Umsetzung dieser Stufe ergibt sich ein weiterer deutlicher Effizienzgewinn für alle Beteiligten. Berufsstand und Softwarehersteller sind bereit, gemeinsam mit KONSENS den nächsten großen Mehrwert zu schaffen.

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